Lesezeit 14 min
Ein kurzer Abriss über die Entstehung dieser besonderen Pioniertruppe innerhalb der deutschen Armee:
Das Erstarren der Front auf ganzer Linie mit Übergang zum Stellungskrieg zwang die Führung zu Überlegungen; frischer Angriffsgeist und Schwung sollte die Fronten wieder in Bewegung bringen.
So verfügte am 2. März 1915 die Oberste Heeresleitung die Aufstellung einer Sturmabteilung, welche am 4. März in Köln-Wahn mit folgender Aufgabe aufgestellt wurde.
Unter Vermeidung von großen Opfern der Infanterie bei schwierigen Angriffen die Einbruchstellen in die feindlichen Stellungen zu öffnen, auftretenden Widerstand, MG-Nester, usw. zu bekämpfen, verlorene Stellungsteile wiederzunehmen, die Lage beim Feinde durch gewaltsame Erkundungen und Einbringen von Gefangenen zu klären. Die Stoßtrupps sollten hierbei nach Bedarf durch zugeteilte andere Waffen (Infanteriegeschütze, Minenwerfer, Maschinengewehre, Flammenwerfer) verstärkt werden.
Der Vorläufer des später bekannten Sturmbataillons Nr. 5 (Rohr), bestand zu Beginn aus zwei Pionierkompanien sowie einer Kanonenabteilung mit zwanzig 3,7cm Infanterie-Sturmkanonen.
Die taktische Aufgabe, welche der Abteilung übertragen wurde, bestand für die Pionierkompanien aus dem Einsatz von Schutzschilden während der Kampftätigkeiten. Dieses fiel auf Anregung der Armeeabteilung Gaede zurück, welche damit in den Vogesen gute Erfahrungen gemacht hatte. Die Kanonenabteilung sollte, mit eigens dafür bei Krupp konstruierten Angriffsgeschützen, aus der vorderen Angriffsstellung im direkten Schuss gegen feindliche Stellungsteile unterstützen.
Nach der Ausbildung in Köln folgten die ersten Kampfhandlungen an der Lorettohöhe und bei Vimy; diese aber eher mit durchwachsenen Erfolgen bei großen Verlusten und gesammelten Erfahrungen.
Der Einsatz von Schilden erwies sich als unzweckmäßig und die eingesetzten Kanonen, von der Truppe sarkastisch Kanönchen genannt, zogen eher das gegnerische Feuer auf sich und somit auch auf die Pionierkompanien.
Die Abteilung wurde Anfang September der Armeeabteilung Gaede zugeführt und fand sich in den Vogesen unter neuer Führung des Hauptmann Rohr wieder, welcher sie auf die Bedingungen des Gebirgskampfes einstellte. Rohr, ein bisher in den Vogesen bewährter Kompaniechef des Garde-Schützenbataillons, übernahm am 13. September 1915 die Abteilung.

Es folgte die Eingliederung eines selbstständigen Maschinengewehr-Zuges, eines Minenwerfer-Zuges sowie eines Zuges Flammenwerfer.
Die Ausbildung der sich stark vergrößerten Abteilung bestand nun vermehrt im Kampf der gemischten und verbundenen Waffen, die Stahlschilde zum Schutz wurden nicht mehr beachtet.
Von den „Kanönchen“ waren nicht mehr viele einsatzbereit. In der kommenden Zeit wechselten sich Unternehmen und Übungen ab, russische 7,62 cm Beutekanonen wurden eingegliedert, die Abteilung bewährte sich bei Rückeroberung des Hirzsteines im Januar 1916.

Erster Einsatz des Sturmbataillons Rohr auf dem Ostufer von Verdun:
Der Angriff auf Verdun warf seinen langen Schatten voraus. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen in den Vogesen verlegte die Abteilung am 1./2. Februar 1916 im Schienenmarsch an die Maas, um sich am geplanten Angriff zu beteiligen. Quartier wurde in Spincourt und Vaudoncourt bezogen. Die Abteilung sollte, im Rahmen des Angriffs der 6. Infanterie-Division, vom Kap der guten Hoffnung bei Azannes aus, den Herbebois angreifen. Die Zeit bis zum tatsächlichen Angriffsbeginn nutze man zur Orientierung in der Stellung und zur Erkundung der Laufwege und des Zwischengeländes.
Während des Angriffs am 21. Februar unterstützten die Pionierkompanien die Infanterie-Regimenter 24 und 64 und übernahmen beim Angriff die Führung. Schwierigkeiten machten die Beutegeschütze, da die Zielentfernungen zu weit und die Munition zu knapp war, welche überhaupt erst schwer zu beschaffen war.
Die französische Gegenwehr in den bewaldeteten Stellungen des Herbebois, erschwerten das Vorgehen der angreifenden Regimenter, dennoch fiel er in Hand der Angreifer, später ebenfalls der Fosses-Wald und das Vaux-Kreuz. Die 24er drangen am 25. Februar fast kampflos in das Fort Douaumont ein.
Am 29. Februar/1. März löste sich die Abteilung von den Regimentern und richtete sich in Ornes ein. In den nächsten Tagen wurde die Abteilung mehrmals zu erfolglosen Teilangriffen herangezogen. Die französische Artillerie belegte Ornes derart mit starkem Feuer, dass die Abteilung zurück in den Bereich Azannes verlegte. In der Nähe des damaligen Divisions-Gefechtsstandes auf Höhe 267 wurde das Gefechtslager eingerichtet. Genutzt wurde es bis in den Sommer.
Am 13. März trat die Abteilung den Marsch, in ihr noch neues aber lang anhaltendes Ruhequartier, an die Etappengrenze nach Beuveille an. Minenwerfer und Kanonenabteilung bezogen Ugny, etwa 5 km nördlich. Ein fest eingerichteter Übungsplatz fand sich bald im Nachbarort Doncourt.

Die Erfahrungen aus den letzten Kampftätigkeiten zeigten, dass die Abteilung weitaus zu gering an Stärke war und so ging man auf den Wunsch des Abeilungsführers Hauptmann Rohr nach Vergrößerung ein. Eine Umstrukturierung war generell nötig, da die Abteilung nun fest in die 5. Armee eingegliedert wurde und nicht mehr auf „Leihbasis“ der Abteilung Gaede operierte. So sollte ab dem 1. April 1916 das „Sturmbataillon“ wie es sich jetzt nennen durfte, etatsmäßig aus vier Sturmkompanien, einer Maschinengewehrkompanie, je einer Minenwerfer-und Flammenwerferabteilung, einer Batterie von 10,5 cm Krupp-Gebirgshaubitzen nebst Tragtierstaffel sowie Pionierkompanie bestehen. Bis es seine volle Gefechtsstärke erreichte verging allerdings noch längere Zeit.




Der zweite Einsatz vor Verdun
Nach knapp 2 Wochen Ruhe wurde die Abteilung alarmiert und bezog wieder Stellung auf dem Westufer der Maas. Fest eingefügt in die neue Angriffsgruppe Ost wurde die Abteilung in die Kämpfe vorrangig gegen den Cailette-Wald geworfen. Diese von der Vaux-Kreuz Höhe oder vom Hardaumont angesetzten Angriffe, an der die 1./ und 2./ Kompanie teilnahmen, brachten alle keinen nennenswerten Erfolg. Ebenso die Versuche Dorf Vaux und den Vaux-Teich von Dieppe-sous-Doauaumont aus zu nehmen.
In Sonderheit der Rand der Cailette-Schlucht lag dauernd unter einem vorzüglich geleiteten, außerordentlich aufmerksamen feindlichem Maschinengewehr-Feuer, unter dem alle Meldegänger, Essenholer, wie überhaupt alles, was den Weg von der vorderen Line nach hinten und umgekehrt zu durchschreiten hatte, außerordentlich litt.
Nachdem eigentlich alle Angriffe der Gruppe Ost restlos von den Franzosen zurückgewiesen waren, allein den Cailette-Wald haben wir im April und Mai mindestens 4-5 mal von allen möglichen Seiten erfolglos angegriffen.
Währendessen trafen am 18. April die neuen, zum Bataillon gehörenden Kompanien in in Beuveille ein, vier Tage später ebenso die neu aufgestellte Maschinengewehrkompanie. Die Tragtierstaffel mitsamt ihren älteren, gedienten Landwehrleuten stieß schon Ende März zum Bataillon und wurde der Haubitz-Batterie zugeteilt.
Die neuen Planungen sahen vor, dass die 1./ Kompanie bis auf weiteres zur Maasgruppe West auf dem linken Maasufer abgestellt werden sollte. Abmarschtermin war der 1. Juni 1916, die Kompanie bezog ihr Quartier in Mouzon.
Der Angriff der 4./ Kompagnie gelang beinahe parademäßig. In ganz kurzer Zeit wurde die vorgesehene Endlinie, die durch einen Feuergürtel der Artillerie abgeriegelt wurde, erreicht. Mit verhältnismäßig wenig Verlusten wurde endlich der Cailette-Wald genommen. Über 2000 Gefangene wurden eingebracht. Weniger glücklich ging der Angriff der 3./ Kompagnie an den Wabengräben aus. Es gelang nur zum geringsten Teil, in dieses schwierige System einzudringen. Die Verluste der Kompagnie, wie auch der Bayern waren ziemlich schwerer Natur. Immerhin war man wenigstens auf dem linken Flügel der Front vorwärts gekommen. Wenige Tage später wurde das Fort Vaux, allerdings ohne Anteilnahme des Bataillons genommen,. Jedoch war an dem darauffolgenden Angriff auf den Chapitre-Wald das Bataillon wieder stark beteilligt. Im Laufe des Juni erfolgte dann eine Reihe weiterer Angriffe, die uns am 23.6. bis unter die Fortmauern von Souville und zur Eroberung von Fleury führten. An allen diesen Unternehmungen, auch auf der Froideterre, war das Bataillon in intensivster Weise beteilligt, bis dann nach Übernahme des Oberbefehls durch Hindenburg und Ludendorff die endgültige Einstellung der Offensive befohlen wurde.
Vom ersten Tage der Schlacht von Verdun bis zur Beendigung der Offensive ist das Bataillon an über 30 Angriffsunternehmungen größeren sowie kleineren Charakters beteiligt gewesen.
Bevor das Sturmbataillon wieder in die Kämpfe der Westfront eingriff verging jedoch größere Zeit. In dieser Zeit der „Gefechtsuntätigkeit“forcierte der Führer des Bataillons Hauptmann Rohr die Ausbildung des Einzelnen, der Gruppen und der Züge. Unterführer wurden geschult, die Hilfswaffen wie das Maschinengewehr, der Minenwerfer und die Batterien wurden in die Ausbildung der Sturmkompanien einbezogen. Parallel gingen Offiziere, Unteroffiziere und bedingt auch Mannschaften anderer Truppenteile auf extra von der Armee angebotene Lehrkurse nach Beuveille und Doncourt. Das Bataillon wurde ebenfalls für nicht beliebte Filmarbeiten und Lehrvorführungen herangezogen.

Samstagsvormittags fanden im Allgemeinen die Vorführungsübungen im Bataillonsrahmen statt. Sie begannen mit Einzelausbildung und endeten über die Gruppenausbildung mit einer Übung des Gesamtbataillons mit scharfer Munition gegen einen markierten Gegner.
Zu diesen Vorführungen kamen in erster Linie Truppenführer und Generalstabsoffiziere bis zum Bataillonsführer abwärts. Teilnehmer aus allen Armeen des Reiches und der verbündeten Länder wurden so in der Kampfweise des Bataillons geschult.


Im August des Jahres wurden Vorführungen vor dem Kronprinzen und Seiner Majestät dem Kaiser durchgeführt. Die neu als Sturmkompanie augebildete 5./ Kompanie erhielt ihre Feuertaufe am 3. September 1916.
Im Verbund mit der 14. bayrischen Infanterie-Division griff sie erfolgreich den Chapitre-Wald an. Der Angriff brachte endlich den Erfolg, der an der selben Stelle wenige Wochen vorher der 2./ und 3./ Kompanie am 1. und 5. August nicht beschieden gewesen war. Es folgten immer wieder weitere kleinere Einsätze und Geplänkel um den Douaumont.
Auf dem Westufer von Verdun:
Der Herbst 1917 rief das Sturmbataillon, mittlerweile den offizellen Namen Sturmbataillon Nr.5 (Rohr) tragend an das Westufer der Maas und die dortigen Abwehrkämpfe. Die Franzosen richteten ihre Angriffe gegen den Toten Mann und die Höhe 304. Als erstes wurde die nahstehende 1. Kompanie in Mouzon in das Gefecht geworfen.
Aber die eine Kompanie langte natürlich nicht für eine Reihe von Kampfhandlungen, besonders wenn diese von ernster Natur waren, nicht aus. Schon am 29. Juni unterstützten Sturmtrupps der 2./ Kompanie, ein Maschinengewehr-Zug, ein Haubitzenzug, eine Anzahl von Minenwerfern und die Flammenwerferabteilung einen Angriff der 1./ Kompanie auf dem Toten Mann. Ende Juli fand ein größerer Angriff des Bataillons der von der 5./ Kompanie unter Unterstützung einer MGK, der Minenwerferkompanie und der Haubitz-Batterie durchgeführt wurde, bei Höhe 304 mit der Stellungsdivision statt. Der Angriff war von den Formationsführern sehr planmäßig vorbereitet worden und brachte den gewünschten Erfolg. Im August griffen die Kämpfe dann auf das Ostufer der Maas über. Anfang September fand ein größerer Angriff auf Höhe 344 statt, an dem das Bataillon mit starken Kräften beteilligt war. Unmittelbar vorher, am 5. September ereignete sich auf dem Doncourt-Übungsplatz ein schwerer Unfall, dem Leutnant Herrmanns von der 3./ Kompanie zum Opfer fiel. Er erhielt einen Volltreffer durch einen der neuen Granatwerfer. Besonderen Kraftaufwand erforderten die mehrfachen Angriffe im Chaume-Wald, von denen der Angriff „Ausgleich“ am 24. September der Größte war. Leider war ihm der Erfolg versagt. Er war im Form einer Zange angelegt, von deren beiden Flügeln aus die 2./ und 3./ Kompanie den Angriff vortrugen.
Bei den Kompanien gelang es, tief in die feindlichen Linien einzubrechen, jedoch vermochten sie sich nicht wie es geplant war, schließlich die Hand zu reichen, um den in der Mitte ausgesparten Teil des Angriffes gewissermaßen von rückwärts abzukneifen. Auch gelang der Angriff in der Mitte, der mit erheblich schwächeren Kräften geführt werden sollte, nicht. So konnte schließlich ein großer Teil der der vorgestürmten Sturmtrupps nicht mehr aus eigener Kraft den Rückmarsch in die Ausgangsstellungen bewerkstelligen, sondern wurde vom Feinde nach tapferer Gegenwehr gefangen genommen.
Nach diesen missglückten Unternehmungen wurden noch einmal alle Kräfte für einen Angriff im Chaume-Wald zusammengenommen, der nach eingehenden Vorbereitungen durch die Gruppe Ornes am 10. Oktober mit vollem Erfolg durch die 5./ Kompanie und die Hilfswaffen duchgeführt wurde. Mit diesem Sturm schlossen die Kämpfe an der Verdunfront einstweilen ab. Im Laufe des Winters wurden nur Erkundungen kleineren und größeren Stils vorgenommen, welche allerdings unverhältnismäßig hohe Verluste an Offizieren und Mannschaften brachten.


Der letzte Einsatz an den Maas:
Auch im letzten Kriegsjahr, September 1918, brauchte das Bataillon nicht weit reisen um überraschend alarmiert eingesetzt zu werden. Mittlerweile geschult in der beweglichen Verteidigung verschlug es die Truppe Rohr erst an die Ostfront Verduns bei Eton. Erkundungsaufträge für ganze 8 wesentlich ruhige Tage.
Wenig später wurde bei Dun-sur-Meuse ausgeladen, den Lärm der Front und den noch unbekannten Gegner, den US-Amerikaner, in naher Umgebung. Am hellichten Tage bezogen die 4 Sturmkompanien mitsamt Maschinengewehren, Minenwerfern und Geschützen den Abschnitt südlich Cunel. Der Frontverlauf befand sich ca. 2 km südlich Cunel, welches sebst unter schwerem Feuer lag und durchschritten werden musste.
Die Batterien sollten an der Straße in Stellung gehen, die Kompanien mit noch unbekanntem Ziel bei kurzer Artillerievorbereitung angreifen. Diese fand zum angesetzten Zeitpunkt allerdings nicht statt und die Kompanien erfuhren erst dann, dass der Angriff abgesagt war.

Es folgte untätiges Biwak in den Wäldern von Cunel, die Kompanien wurden aufgeteilt und von links nach rechts an der Front verschoben. Anfang Oktober musste aus der Untätigkeit ein Angriff abgeschlagen werden, die Verluste waren mäßig. Je nach Laune und Lage der Maasgruppe Ost wurde das Bataillon wahl- und ziellos von Divison zu Division geschickt, bis es das Kronprinzenlager südlich der Kronprinzenhöhe erreichte.
Morgens alarmiert sollte dem Amerikaner die erst gerade eroberte Höhe wieder abgenommen werden. Im Nebel, bei unbekannter Frontlinie und unbekanntem Gelände, erreichten die Kompanien die Mulde vor der Kronprinzenhöhe. Es fand im Nebel etwas Schützenfeuer mit einem vermutlich ebenfalls schlecht organisiertem Gegner statt. So lag man bei aufklarendem Tage deckungslos in der Mulde, konnte aber Feind auf der Höhe aufklären, rechts vorn die Madeleine-Ferme erkennen und Verbindung zum linken Nachbarn aufnehmen. Trotz der chaotischen Lage; rechts fehlende eigene Teile und diffuse Frontlinie, fiel die Entscheidung die Höhe zu nehmen. Liegenbleiben wie auf dem Präsentierteller war unmöglich.

Wir wussten uns aber zu helfen und zwar bauten wir auf – Bluff. Leutnant Dahlberg erhielt Befehl, mit der Haubitz-Batterie in den Wellen der Mulde in Stellung zu gehen und sobald es sichtig würde und er den Moment für gekommen ansehe, vor unseren Kompanien einen zweihundert Meter breiten Streifen der amerikanischen Linie genau eine Minute mit Schnellfeuer zu belegen.
Die Batterie mußte auf diesem Abschnitt schwere Trommelfeuerwirkung erzielen, wenn der Bluff gelingen sollte. Zum Einschießen konnten wegen der Gefahr vorzeitiger Erkennung der Batterie nur höchstens 2-3 Probeschuß zur Verfügung gestellt werden. Im übrigen mußte die Batterie ihren Schußplan an Hand der Karte genau errechnen. Nach der einen Minute sollten unserer Kompanien angreifen. Schließlich wollten wir versuchen, die links an uns sich anschließende liegende Infanterie zu bewegen, sich freiwillig unserem Angriff anzuschließen. Die Infanterie wurde auch benachrichtigt. Die beiden ansschließenden Bataillonsführer versprachen auch sich zu beteilligen, obgleich sie sehr verwundert über unsere merkwürdige Absicht den Kopf schüttelten. Wir d.h. Hauptmann Krafft und ich, waren uns allerdings darüber klar, daß man eine für das Jahr 1918 (Oktober) so ungewöhnlich vorbereitete Unternehmung auch nur wagen konnte mit einer Truppe, die so aufeinander eingespielt war, wie unser Bataillon. Einander fremde Infanterie und Artillerie hätte man in dieser Form nicht miteinander in Verbindung bringen können. Leutnant Dahlberg begann sofort geschützweise in Stellung zu gehen. Das Einzige, was er tun konnte, war, sich gegen Fliegersicht so gut es ging zu decken.
Kurz vor 5 Uhr nachmittags gab die Batterie einen Probeschuß ab, der bereits richtig lag. Fast genau 5 Uhr begann die Batterie ihr Wirkungsfeuer, das sich in vernichtender Dichte auf einen sehr schmalen Abschnitt des Feindes legte. Aber innerhalb dieses 200 m Abschnittes lag Schuß auf Schuß mit wunderbarer Präzision.

Schon in der ersten halben Minute packte die Besatzung des beschossenen Stückes fluchtartig auf und riß sofort die rechts und links angrenzenden Teile mit sich. Nach genau einer Minute erhoben sich auf 500 m Breite unsere Kompanien und traten zum Angriff an. Die feindliche Linie geriet darauf sofort auf der ganzen Muldenbreite ins Wanken und in einem Schwunge ging der Angriff mindestens 500 m bis an den Fuß der Kronprinzenhöhe vor. Leider konnte sich jedoch das links anschließende Bataillon nicht in voller Breite entschließen, den Angriff mitzumachen. So blieb der linke Flügel vollkommen hängen. Auf dieser Seite erholten sich die Amerikaner denn auch bald von ihrer Verblüffung und begannen mit Maschinengewehren flankierend und überhöhend unsere Kompanien zu fassen. Auf diese Weise gelang es auch nicht mehr, in einem Zuge weiter voranschreitend, die Kronprinzenhöhe selbst anzugreifen. An ihrem Fuße blieb der Angriff liegen.
Mehrere Tage verbrachten die Kompanien noch untätig vor der Höhe liegen, bis es von Hauptmann Rohr herausgezogen wurde und Lager in Thonne le Thil an der Straße von Montmedy nach Sedan bezog. Die Kampfhandlungen vor Verdun und an der Maas waren für das Sturmbataillon Nr. 5 (Rohr) beendet.